Industrie 4.0 – Sind Sie eine fachlich kompetente Niete?

Industrie 4.0 – ein grosses Fragezeichen?

Spätestens seit dem letzten WEF in Davos ist der Begriff  ” Industrie 4.0 ” in die breite Öffentlichkeit gespült worden. In der Schweiz bemühen sich Plattformen wie www.industrie2025.ch, Swissmem oder das GDI in Rüschlikon das Thema der Schweizer Teppichetage näher zu bringen.

Um sich zu erinnern um was es geht, hier eine kurze Zusammenfassung:

  • Rechengeschwindigkeit von Computern nimmt zu, gleichzeitig fallen die Preise
  • Fortschritte in der Robotik und Sensortechnik: Roboter werden immer günstiger, mobiler, vernetzter und sicherer
  • Vernetzung von Smartphones, Tablets, PCs und Terminals mit Maschinen und Anlagen
  • Kommunikation und Kooperation zwischen Beschäftigten, Betriebsabteilungen, Kunden und Lieferanten, ja sogar mit Konkurrenten und vielleicht am wichtigsten, die Vernetzung von verschiedenen Produkten
  • Veränderte Produktions- und Vertriebsprozesse, neue Partnerschaften

Gefahr macht Druck

So weit, so gut,  aber wie soll sich das konkret abspielen? Aus Deutschland jedenfalls, kommen gemischte Zeichen. Gemäss einer neuen Studie (IAB-Kurzbericht 22) ist die Vernetzung der Produktion mit dem Internet bei jedem dritten Betrieb kein Thema und nur bei knapp 18 Prozent der Unternehmen ist die Technologie „zentraler Bestandteil ihres Geschäftsmodells“.

Durchzogen sieht es in der Schweiz aus: Die Scorecard von digital.swiss sieht den Stand der Digitalisierung im Themenfeld Industrie 4.0 gerade mal bei 18 Prozent. Anders wurde es von der Swissmem an ihrem „Industrietag“ gesehen, wonach die ihr angeschlossenen Unternehmen in diesem Wandel bereits gut unterwegs sind.

Einig sind sich hierzulande aber alle Beteiligten: Industrie 4.0 bietet viele Chancen. Im Klartext muss das so verstanden werden: Wer die Chancen nicht packt, wird von der Konkurrenz abgehängt und bleibt im Regen stehen. Doch wie nutzt man diese Möglichkeiten am besten?

Neues Wissen ist gefragt

Manch bestandener Unternehmer und manches VR-Mitglied wird sich den Kopf kratzen und sich fragen, wo er das fehlende Wissen beschaffen soll. Externe Berater? Neue Mitarbeiter einstellen? In diesem Zusammenhang mag ihn wohl auch die Light Version der Masseneinwanderungsinitiative nicht gerade fröhlich zu stimmen. Doch wie so oft gilt auch hier der alte Spruch: Warum auch in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. In vielen Firmen, vor allem kleinen und mittleren Unternehmen ruht ein Schatz, der oft gar nicht oder wenig effektiv genutzt wird. Es sind die eigenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen! Das von ihnen ausserbetrieblich erworbene Wissen, durch Hobby, Militärdienst, in Vereinen, Politik, Familie oder sonst nebenberuflich gewonnenen Einsichten, Erfahrungen und Know-how können Gold wert sein.

Um diesem Schatz näher zu kommen, braucht es weder komplizierte Konzepte noch unklare Begriffe wie etwa Knowledge-Management. Das gute alte Vorschlagswesen ist in vielen Fällen ein tauglicher, weiterführender Schritt. Doch auch hier lauern Gefahren und Hindernisse.

Dienst nach Vorschrift tötet

Nach der neuesten Gallup-Umfrage entgehen deutschen Unternehmen 99 Milliarden pro Jahr , weil sie ihre Leute nicht richtig motivieren können. Bloss 16 Prozent der Belegschaft ist mit Herz und Hand bei ihrem Job. Weitere 16 Prozent haben keine emotionale Bindung zu ihrer Firma und die restlichen 68 Prozent nur ein schwache. In der Schweiz dürften die Zahlen ähnlich sein. Die Gründe für die „innere Kündigung“ finden sich schnell:

  • Führungskräfte verhalten sich unfair
  • Fehlende Karriereperspektive
  • Unterforderung: Führungskräfte sehen Potenziale nicht
  • Überforderung: Führungskräfte sehen Schwächen nicht
  • Führungskräfte merken nicht, dass wenig geleistet wird
  • Fehlende Wertschätzung von Vorgesetzten
  • Mitarbeiter haben persönliche Probleme
  • Mitarbeiter fühlen sich nicht verantwortlich
  • Gute Ideen finden keine Resonanz

Damit wird klar, dass wenn man ein Vorschlagswesen, das diesen Namen auch verdient, optimal nutzen will, auf die Motivation der Mitarbeitenden abstellen muss. Der Ball liegt bei den Führungskräften. Haben diese nichts drauf, ist guter Rat teuer. Im wahrsten Sinn des Wortes.

Fachlich kompetent, als Vorgesetzter eine Niete

Wenn man danach fragt, wie jemand in die Rolle eines oder einer Vorgesetzten gekommen ist – und dabei man darf durchaus selbstkritisch in den Spiegel schauen – , zeigt sich, dass es in den meisten Fällen die fachliche Kompetenz ist, die jemanden auf die nächste Ebene gehoben hat. Oftmals „faute de mieux“, denn die Besseren sind vielfach längst abgewandert. Aber ist es denn wirklich die fachliche Kompetenz, die jemanden befähigt, die Mitarbeitenden zu motivieren und zu beflügeln?

Wem in diesem Moment Zweifel an den eigenen Fähigkeiten aufsteigen, liegt richtig. Denn nur wer sich selber kritisch hinterfragt, kann sich weiterentwickeln und weiterbilden. Nur wer sich selber gegenüber ehrlich ist, wird sich die Frage stellen, wie er eine bessere Führungskraft werden kann. Die Antworten sind einfach und schwierig zugleich. Sie sind einfacher zu finden als umzusetzen.

Soft Skills, keine Zauberei

Um Herausforderungen wie die Industrie 4.0 zu meistern, braucht es Vorgesetzte, die ihr Handwerk verstehen. Und damit meinen wir die sogenannten Soft Skills. Fähigkeiten, die sich nicht mit der Messlatte berechnen lassen und die sich zu einem grossen Teil – aber nicht nur – auf die mitarbeitenden Menschen fokussieren:

  • Teamarbeit, Bescheidenheit, Empathie
  • Kenntnis der digitalen Werkzeuge: Wer sich hier nicht einigermassen à jour hält, hat verloren.
  • Verständnis für Regeln und Regulierungen: Wer die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze, die legalen und ethische Grenzen nicht kennt, wer deren Wandel nicht verfolgt, wird sich verlaufen.
  • Verantwortung und Einsatzbereitschaft

All dies lässt sich lernen! Theoretisch und praktisch. Dann kann Industrie 4.0 kommen.

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