Dringend gesucht: Erfahrene, ältere Mitarbeitende!

Werden wir in wenigen Jahren im Internet oder in Zeitungen Inserate mit einem solchen Titel finden? Gehören ab etwa 2015, Mitarbeitende im Alter von 50 Jahren nicht mehr zum “alten Eisen?” Es ist demografisch leicht nachzuweisen, dass ab 2015 in der Wirtschaft junge Leute rar sein werden. Die Unternehmen sind deshalb gut beraten, schon heute in ihre Mitarbeitenden über 40 zu investieren.

 
Ende September 2005 verstarb 97-jährig der Valium-Entdecker Leo Sternbach. Obwohl seit 1973 pensioniert, liess er sich bis zu seinem Tod täglich von seiner Frau in sein Büro bei Roche chauffieren. Wichtig sei, dass man seine Arbeit gerne mache, lautete seine Devise – und diese Leidenschaft höre nicht im Alter von 65 Jahren auf! Der scheinbare Anachronismus könnte das Modell der Zukunft sein.
 
In den nächsten 10 Jahren wird es aufgrund der demografischen Entwicklung nicht mehr genug junge Leute geben, um in einer wachsenden Wirtschaft alle vorhandenen Stellen zu besetzen. Robert Zaugg, Dozent für Personal- und Orga­nisationsmanagement an den Universitäten von Bern und Freiburg, hat solche Prozesse untersucht und sagt: “Unternehmen müssen schon jetzt darauf achten, dass sich 50-jährige nicht auf eine Frühpensionierung vorbereiten”. Sie sollten äl­tere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an sich binden und ihnen Fortbildungsmög­lichkeiten bieten, die ihrer Lebenserfahrung entsprechen.
 
Aufgrund der ständig steigenden Lebenserwartung, kann man nicht mehr die er­sten 30 Jahre lang lernen, 30 Jahre lang arbeiten und sich dann – ausgebrannt und “lädiert” – frühpensionieren lassen. Das Ziel muss sein, die Lebensarbeitszeit über wesentlich mehr Jahre zu verteilen, sich ständig weiterzubilden und früher mit Teilzeitarbeit zu beginnen.
 
Gefordert sind bei dieser Perspektive nicht nur die Firmen, sondern auch die äl­teren Mitarbeitenden, die sich heute eher in Kurse schicken lassen, als dass sie sich selber darum bemühen. ABB Schweiz hat mit Blick auf diese Entwicklung ei­nen Prozess eingeführt, welcher sich “Generation 50+” nennt. Da die Funktion und nicht das Alter honoriert wird, fällt das “Problem” weg, dass bei Neueinstellungen ältere Mitarbeitende teurer sind als jüngere. Zudem fördert ABB Teilzeit­arbeit für ältere Angestellte und engagiert diese als Berater.
 
Diese “Lernpartnerschaften” sollen sicherstellen, dass erfahrene, ältere Mitarbei­ter ihr Wissen an jüngere Beschäftigte weitergeben. Damit wird verhindert, dass Potentiale verloren gehen, die in vielen Jahren erworben wurden. Der “Jugend­wahn” in den Betrieben hätte damit also ein Ende – schon alleine deswegen, weil ab 2015 jede dritte Erwerbsperson älter als 50 Jahre sein wird.

 

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