Meine Unternehmung – die “Ich-AG”

Neben den Finanzen und der Technologie ist der Mensch die massgebende und
schlussendlich entscheidende Kraft in der Wirtschaft. Durch ihn kommt letztlich das zu Stande, was den eigentlichen Erfolg – die Wertschöpfung – darstellt. Und damit ist vor allem die nicht-monetäre Ebene gemeint. Es geht immer um den Menschen. Und das interessante dabei: Der Mensch selbst funktioniert ähnlich einer Unternehmung.

Im Prinzip sind wir Verwaltungsratspräsident und auch Direktor der wichtigsten Unternehmung, die es für uns gibt: unseres eigenen Lebens. Wir sind zuständig für Vision und Leitbild. Wir orientieren uns dabei an den geltenden Prinzipien und Regeln, um Klarheit zu geben und die Richtung nicht aus den Augen zu verlieren. Wir machen eine strategische Planung und setzen diese in Selbstorganisation in operativer Weise in unserem Alltag um. Idealerweise sollten wir es so machen.

In Personalunion müssen wir aber noch weitere, ebenso wichtige Funktionen wahrnehmen. Wir sind sowohl Marketingverantwortlicher als auch Qualitätschef unseres Daseins. Und als ultimative Verantwortung müssen wir auch noch das Controlling übernehmen, das uns auf Zielkurs halten sollte, Nachlässigkeiten erkennt und Korrekturmassnahmen anordnet, falls wir vom Kurs abkommen. Eine Firma in der Wirtschaft ist an eine klare Führungsverantwortung gebunden. Bestellte Organe haben geregelte Pflichten wahrzunehmen, müssen Rechenschaft ablegen und können – ja müssten sogar – bei Misswirtschaft zur
Verantwortung gezogen werden. Da ist Professionalität gefragt.

Stellen wir uns einmal vor, wir als “CEO” unserer Unternehmung “ICH” würden auf ähnliche Professionalität geprüft. Unterlassungen, Nachlässigkeiten und auch Misswirtschaft würden konsequent aufgedeckt und geahndet. Welche Auswirkung hätte dies auf unsere Eigenführung? Die Unternehmung Mensch ist zudem nicht für die Autarkie geschaffen. Sie neigt dazu, mit einem Ehepartner zu fusionieren. Jemand, der viel investiert, möchte Dividende in
Form von Zuneigung und Liebe.

Auch unsere Bilanz und Erfolgsrechnung will sauber geführt werden. Wenn das Eigenkapital (eigene Lebensenergie) dabei ausbrennt, nennen wir das Burn-out. Wenn Lebensleid (Aufwand) gegenüber Lebensfreude (Ertrag) ständig überwiegt, sind wir frustriert (Reinverlust) und müssen es vom Eigenkapital abbuchen. Ja selbst die Gewinnausschüttung an uns selbst (sich lieben und auch sich Gutes tun) kommt zu kurz. Wenn dann noch die eigene interne Gewerkschaft (unser Gemüt) mit Warnstreiks droht (Migräne, häufiges Kranksein, Depression) kommen wir vor unserem VR arg in Bedrängnis. Doch wer ist eigentlich “unser Verwaltungsrat?” Wir wissen es nicht genau. Ist es Gott, der Ehepartner, ein Freund, ein Vorbild oder gar ein Guru?
Nicht selten muss dann die Task-Force (bestehend aus Arzt, Apotheker, Geistheiler, Drogenkurier) einschreiten, um
den “Konkurs” abzuwenden…

Klar dürfen wir die Unternehmung “Mensch” nicht ausschliesslich mit denselben klar messbaren und technologisierten Standards führen wie eine Firma in der Wirtschaft. Der Führungsstil und die Führungskultur uns selbst gegenüber, muss aber trotzdem irgendwie stimmen, denn so wie wir uns selbst behandeln, so gehen wir als Führungskraft auch mit unserem Team um. Führen durch Vorleben nennen wir diesen oft gepriesenen Stil – und sind
uns seiner Bedeutung für uns selbst oft gar nicht bewusst.

Wer nun glaubt, “Misswirtschaft” in seiner eigenen Unternehmung Mensch werde weniger drastisch geahndet als in der Firma, der irrt gründlich. Schlussendlich ist der Mensch immer noch selbst für sich verantwortlich, ja wie sagt man doch so schön: Jeder ist seines Glückes eigener Schmid. Übernehmen wir also die volle Verantwortung für das Management unserer Unternehmung Mensch – tun wir das wirklich?

Sorgen wir dafür, dass es uns gut geht? Habe ich den Mut, aus festgefahrenen Situationen auszubrechen und mich für die “bessere” – mir zusagendere und für meine “Gesundheit” geeignetere Arbeit zu entscheiden? Wage ich – auch im besten Alter – einen Wechsel meiner Tätigkeit? Ändere ich etwas? Breche ich aus einer unbefriedigenden, ja unerträglichen Lage aus? Bin ich einer der Mutigen, die nicht mehr “ertragen und erleiden” wollen – bis hin zur Pensionierung? Bin ich neugierig und will ständig etwas Neues lernen? Ist für mich die Aus- und Weiterbildung beinahe eine Sucht – wie der Sport und die Hobbies oder eben die gemütlichen Stunden, welche ich zum “mir geht es gut” so brauche? Habe ich den Drang meinen “Wert” auf dem Arbeitsmarkt zu steigern und hoch zu halten?

Klingt ja alles schön und gut – ist es ja auch! Vorallem deshalb, weil ich, ich ganz alleine, die Entscheidungen dazu treffen kann. Logisch, es gibt viele “Rahmenbedingungen”. Aber schliesslich kann mich nur eines hindern, etwas für mich, für meine Gesundheit, für mein Wohlergehen, meine Zufriedenheit und dem Spass an der Arbeit und am Leben zu tun: Ich!