Brave Schweizer Jugend? Abgewrackte Vorbilder!

Früher behaupteten klischeeverliebte Klotzköpfe, die neue Generation tauge nichts. Heute ist es umgekehrt: Die ältere Generation kann nur noch hoffen, dass die heutige Jugend den Karren aus dem Schlamassel zieht.

Schon seit geraumer Zeit geht es durch die Schweizer Medien: Die Schweizer Jugend wird zunehmend braver, sie ist weniger kriminell, trinkt und kifft weniger und Schule schwänzen ist auch nicht mehr in. Schon ist es so weit gekommen, dass verschiedene Jugendknäste ihre Tore geschlossen, beziehungsweise hochgeklappt haben.


Was heisst denn da brav?

Was ist der Grund, dass jetzt so viele Jugendstaatsanwälte, Betreuer und Jugendstrafwärter arbeitslos werden? Es ist das Internet! Die Mädels und Jungs verbringen lieber ihre Zeit online, als dass sie auf der Gasse Unfug trieben. Und wer meint, sie würde nur endlos gamen, der könnte sich täuschen.

Es die Flut an Informationen, Wissen und Möglichkeiten, die die heutige Jugend auf Vordermann bringt. Darknet und Bitcoins bieten unendlich spannendere Playgrounds, lukrativere und coolere Möglichkeiten, als in einem dunklen Park einem Betrunkenen das letzte Hemd auszuziehen. Wer früher als Dumpfbacke durch die Gegend zog, holt sich heute spielerisch Fremdwörter, neue Begriffe und auf der Schulbank verpasstes Wissen aufs Smartphone. Auch Bertold Brechts Spruch „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ gehört dazu.

Nur die Allerdümmsten leisten es sich darum noch, kriminell zu werden. Der kreative Teil der Jugendlichen ist längst in lukrativere Gefilde abgewandert. Die konstant hohe Zahl von Start-ups zeugt davon. Die heutige Jugend nutzt ihre Möglichkeiten und ist damit einfach cleverer und fantasiereicher als die gestrige, nicht wirklich braver.

 

Vorbilder, die keine sind

Vielleicht ist sie aber auch – etwa wie Operation Libero neulich bei der Durchsetzungsinitiative – ausgezogen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, in den ihn ihre Vorgängergeneration gefahren hat. Schlechte Beispiele finden sich zuhauf. So schändlich, wie es aber in der Schweizerischen Energiewirtschaft und -politik getrieben wird, ist selten.

Gouverner, c’est prévoirRegieren heisst Voraussehen“ – sagt ein vielzitiertes Sprichwort, das für Führungsverantwortliche überall gelten sollte. Nicht so in der Schweizer Energiewirtschaft. Nachdem sie die Energiewende in Deutschland und den günstigen Solarstrom völlig verschlafen und dafür haufenweise Fehlinvestitionen getätigt hat und sich an marode AKWs klammerte, geht der Schweizerischen Energiebranche jetzt die Puste aus.

Alpiq will kurz vor dem drohenden Konkurs 49% ihrer Wasserkraftwerke verscherbeln. Ausverkauf der Heimat – und chinesische Investoren sollen willkommen sein. Wie ein kürzlich an die Öffentlichkeit gelangtes Strategiepapier zeigt, sollen Wissenschaftler, Politiker und Medien instrumentalisiert werden, um die unrentablen AKWs, für deren Entsorgung das Kleingeld fehlt, in eine staatliche Auffanggesellschaft auszulagern und staatlich regulierte Strompreise zu ergattern.

Auch Axpo wird mit dem löchrigen AKW Beznau und mit dem 2,1 Milliarden teuren Pumpkraftwerk Limmern auf Jahre hinaus tiefrote Zahlen schreiben. Rechtzeitig hat sich ihr ehemaliger Chef Heinz Karrer aus dem Staub gemacht und hat neue Anstellungen bei Economiesuisse und Kuoni gefunden. Die beiden können einem Leid tun.

Mit unternehmerischer Weitsicht und Kreativität hat das Fuhrwerken der Energiebarone nichts zu tun!

Und wenn dann Politiker wie Christoph Blocher Subventionen für Wasserkraft und AKWs, andere wie Christian Wasserfallen Zölle für Importstrom fordern, dann wird auch klar, wer die Zeche für das Schlamassel bezahlen soll. Dazu passt, dass der Nationalrat letzthin den Atomausstieg auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben hat, obwohl die AKWs nicht rentieren und entgegen den Sicherheitsempfehlung der eher atomfreundlichen Aufsichtsbehörde ENSI. Keine Spur von politischem Mut und innovativem Denken!

Es ist nicht brav, was von älteren Herren (und einigen Damen) im Schweizer Energiesektor angerichtet wird! Und energiegeladen ist das alles auch nicht wirklich.


Eine Hoffnung bleibt

Die Schweizerische Energiesuppe ist trüb und einige ihrer Ingredienzien, wie der unfinanzierte Rückbau der AKWs oder die ungeplante Endlagerung des Atommülls, stinken zum Himmel. Bloss eines ist klar: Die Energiebarone und die herrschenden Politiker sind unfähig, Führungsverantwortung zu tragen. Die  brave Schweizer Jungend wird die ganze Suppe auslöffeln dürfen. Möge ihr dabei die Energie nicht ausgehen!

 

 

 

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